Akademische Fachkräfte in Spanien

Akademische Fachkräfte

Die vorliegenden Informationen beziehen sich auf eine Studie aus dem Jahr 2014, die vom spanischen Arbeitsministeriums in Auftrag gegeben wurde. Die Studie untersucht die Beschäftigungssituation von Hochschulabsolventen. Das Ministerium hat Daten aus den Jahren 2006 bis 2013 erhoben, um im Verlauf der ersten sieben Jahre nach Hochschulabschluss festzustellen, wie viele Studienabgänger sich in abhängiger Beschäftigung befinden.

 

Im Jahr 2007, ein Jahr nach dem Erwerb des Hochschultitels, zahlen 58% der akademischen Fachkräfte Beiträge in die spanischen Sozialversicherungssysteme ein. Drei Jahre nach dem Erwerb des Hochschulabschlusses befinden sich 70% davon in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Danach stabilisiert sich diese Zahl. Im Jahr 2011 lässt sich feststellen, dass 30% der Hochschulabsolventen nach 5 Jahren keine Arbeit gefunden haben. Schaut man sich die Jahrgänge 2010-2011 an, verringert sich die Anzahl der beschäftigten Akademiker.

Schaut man sich die Jahrgänge 2010-2011 an, verringert sich die Anzahl der beschäftigten Akademiker. Nach einem Jahr befinden sich 49% in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Das ist ein Rückgang von 9% im Vergleich zum Jahrgang 2007. Die geringer werdende Anzahl von Beschäftigten steht in direktem Zusammenhang mit der spanischen Wirtschaftskrise, die im Jahr 2007 ausgebrochen ist. Die Verteilung von Erwerbsmöglichkeiten zwischen Frauen und Männer bleibt in allen Jahren in etwa gleich.

Studienfächer  2014 insgesamt Frauen Männer
Insgesamt 1.412.673 768.893 643.780
Sozial- und Rechtswissenschaften 666.532 404.817 261.745
Ingenieur- und Architekturwesen 297.596  77.171 220.425
Kunst- und Geisteswissenschaften 134.912 82.989 51.923
Gesundheitswissenschaften  231.865 161.582 70.283
Naturwissenschaften   81.738 42.334 39.404

Erwerbssituation von akademischen Fachkräften aus Spanien

Ein Jahr nach dem Hochschulabschluss liegen die Absolventen der Studienfächer Kunst, Sozial- und Naturwissenschaften unterhalb des Durchschnitts der Beitragszahler in die Sozialversicherung: 40,1% zu 47,9% der Jahrgänge 2005-2006 beziehungsweise 33,2% zu 42,7% zum Jahrgang 2011. Dennoch, in den naturwissenschaftlichen Fächern verbessert sich die Situation kontinuierlich bis sie sich fünf Jahre nach dem Studienabschluss auf einem höheren Niveau befindet als der Durchschnitt. Aber auch hier lässt sich ab dem Jahr 2013 ein deutlicher Rückgang verzeichnen, der sich ab 2013 unterhalb des Durchschnitts befindet und Ausdruck der Wirtschaftskrise ist. Absolventen der Schönen Künste und Sozialwissenschaften liegen zu jeder Zeit deutlich unterhalb des Durchschnitts. Auf der anderen Seite liegen akademische Fachkräfte der Rechts- und Sozialwissenschaften kurz nach Abschluss über dem Durchschnitt. Ihre Situation verschlechtert sich aber mit zunehmender Dauer, so dass sie sich fünf Jahre nach Abschluss unterhalb des Beschäftigungsdurchschnitts befinden. 

Erwerbslosigkeit in Bezug auf Ausbildung, Alter und Regionen

Ihre Akzeptanz erweist sich auf dem Arbeitsmarkt als weniger stabil und ihr Marktwert sinkt mit zunehmender Dauer der Erwerbslosigkeit stärker.


Erwerbsaussichten nach Studienfach in Spanien

Erwerbsaussichten nach Studienfach in Spanien

Die Situation von Absolventen der Naturwissenschaften hingegen verbessert sich mit zunehmender Dauer nach dem Abschluss. Dies hängt mit den zu erwerbenden Zusatzqualifikationen zusammen. 

Sie sind die notwendige Voraussetzung für den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Das gilt im Gesundheitsbereich vor allem für Ärzte, die Zusatzqualifikationen zum spanischen Facharzt „MIR“ erwerben und in eingeschränkter Form für Absolventen der Pflegewissenschaften, die Spezialisierungen in Form von ein- bis zweijährigen Masterabschlüssen erwerben müssen, um ihre Erwerbssituation zu verbessern.

Seit dem Jahr 2012 lässt sich eine allgemeine Verschlechterung der Erwerbssituation von Absolventen nahezu aller Studienfächer feststellen, so dass die spanische Wirtschaftskrise zwar mit Verspätung, so doch umso deutlicher am Arbeitsmarkt für akademische Fachkräfte zu beobachten ist. Bei den Nicht-Akademikern und Menschen ohne Ausbildung hat sich die Beschäftigungssituation schon kurz nach dem Ausbruch der Wirtschaftskrise gezeigt, was verdeutlicht, dass eine hohe Bildung vor Erwerbslosigkeit besser schützt als eine weniger gute Bildung.


Selbständigkeit und abhängige Beschäftigung

Ein weiterer wichtiger Indikator bei der Beschäftigungssituation von Akademikern und akademischen Fachkräften ist die Anzahl an abhängig Beschäftigten im Vergleich zu den Selbständigen. In Spanien müssen beide Berufsgruppen in die Sozialversicherungen einzahlen. Die Anzahl der abhängig Beschäftigten liegt stabil bei 92%-94% und die der Selbständigen bei 8%-10%. Im europäischen Vergleich ist dies ein sehr niedriger Wert. In Deutschland, das keine Pflichtmitgliedschaft in der Sozialversicherung für Selbständige vorsieht, liegt das Verhältnis bei 85% zu 15% und ist damit um ein Drittel höher als in Spanien.

 

In Deutschland geht dieser Trend nach oben, in Spanien trotz Wirtschaftskrise kaum. In Bezug auf die Art der Beschäftigung von Hochschulabsolventen lässt sich eine gewisse Konstanz beobachten: 15,3% sind in der Wirtschaft, Forschung und/oder Wissenschaft beschäftigt. 11,2% (und 14,1% sechs Jahr nach Erwerb des Hochschulabschlusses) sind im Sozial- oder Gesundheitsbereich beschäftigt. 13,4% (und 17,9% sechs Jahr nach Erwerb des Hochschulabschlusses) im Bildungswesen.

Art der Beschäftigung von Hochschulabsolventen

Die Abweichung der Beschäftigungszahlen in den ersten sechs Jahren nach Erwerb des Hochschulabschlusses ist der Tatsache geschuldet, dass in den letzten beiden Beschäftigungsbereichen notwendige Anpassungskurse und Zulassungsverfahren stattfinden, die so genannten „Oposiciones“, die eine Bedingung für die Beschäftigung im öffentlichen Dienst sind. Der Run auf staatlich garantierte Beschäftigung gewinnt in Krisenzeiten an Attraktivität. Aus dem Jahrgang 2006 sind in der öffentlichen Verwaltung 7,7% beschäftigt und aus dem gleichen Jahrgang im Jahr 2012 nur noch 4,1%.


Diese Zahlen stehen für die Sparanstrengungen der öffentlichen Verwaltung. Die Zugangsvoraussetzung werden durch die „Oposiciones“ erhöht, so dass weniger Akademiker verbeamtet werden. Diejenigen, die nicht verbeamtet werden, erhalten die Möglichkeit, als „interinos“ einen befristeten Anstellungsvertrag zu erhalten. Ihre Anzahl ist in Relation zu den Beamten mit akademischer Bildung gestiegen.


Erwerbstätige mit Hochschulabschluss in Spanien 

Erwerbstätige mit Hochschulabschluss in Spanien

Die Studie des spanischen Arbeitsministerium hat darüber hinaus untersucht, in welchem Beschäftigungsbereich Hochschulabsolventen Arbeit finden.

Ein Jahr nach dem Erwerb des Hochschultitels befinden sich 48,1% in einer Beschäftigung, die einen Hochschulabschluss erfordert. 23,5% befinden sich in einer Beschäftigung, die unterhalb eines universitären Anforderungsprofils liegt. 28,4% befinden sich in gering qualifizierter Beschäftigung oder im Handwerk mit geringem Anforderungsprofil.

 

Im Jahr 2012 haben nahezu die Hälfte aller Hochschulabsolventen desselben Jahrganges eine ihrer Bildung entsprechende Beschäftigung aufgenommen. Im Vergleich zum Jahrgang 2006 zeigt sich aber, dass sich insgesamt 10% weniger Akademiker in Beschäftigung befinden. Im Jahr 2007 befinden sich noch 60,4% in einer ihrer Bildung entsprechenden Beschäftigung und nur 16,8% in gering qualifizierter Arbeit. Im Jahr 2007 befinden sich 39,6% in einer ihrer Ausbildung fremden Beschäftigung oder sind erwerbslos, im Jahr 2012 sind es bereits 51,9%. Die Wirtschaftskrise führt zu einer Verschwendung von akademischem Potenzial.


Verdienstmöglichkeiten akademischer Fachkräfte

Aufgrund der allgemeinen Mitgliedschaft in der spanischen Sozialversicherung lassen sich auch die Verdienstmöglichkeiten von akademischen Fachkräften ableiten. 49% des Jahrganges 2006 erhalten ein Jahr nach dem Hochschulabschluss ein Gehalt unterhalb von 1.500,00 EUR brutto pro Monat. Damit liegt Spanien deutlich unterhalb des deutschen und des Schweizer Durchschnitts für akademische Berufsanfänger. Sechs Jahre später befinden sich in dieser Gehaltsgruppe noch 25%. Mit zunehmender Berufserfahrung und Betriebszugehörigkeit verbessern sich die Verdienstmöglichkeiten von akademischen Fachkräften.

 

Aus dem Jahrgang 2006 verfügen im Jahr 2007 mehr als 41% über ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis in Vollzeit. 35,9% haben einen befristeten Vertrag in Vollzeit und 15,3% eine befristete Teilzeitbeschäftigung. 7,8% haben eine unbefristete Teilzeitbeschäftigung. In den Sozialwissenschaften, im Verkauf, im Marketing in den Rechts- und den Naturwissenschaften befinden sich die meisten unbefristeten Beschäftigungsverhältnisse. Im Beschäftigungszweig der bildenden Künste und der Erziehungswissenschaften lassen sich die wenigsten unbefristeten Beschäftigungsverhältnisse in Vollzeit beobachten.

In ihrer Gesamtheit verändert sich die Beschäftigungssituation aller Hochschulabsolventen nach sechs Jahren Zugehörigkeit zum Arbeitsmarkt: Die Anzahl an unbefristeter Beschäftigung steigt um 15% auf insgesamt 56% an. Im Umkehrschluss verringern sich die befristeten Arbeitsverträge von 51,2% auf 35,7%. Was die Mobilität von Studienabgängern anbelangt, lässt sich eine Veränderung seit dem Jahr 2007 beobachten. Noch im Jahr 2006 zahlen 79,7% der Beschäftigten ihre Beiträge zur spanischen Sozialversicherung in der gleichen „Comunidad Autónoma“, (deutsches Bundesland/Schweizer Kanton) in der sie studiert haben. 

Die Gesamtzahl derjenigen, die nach Studienabschluss eine Erwerbsarbeit gefunden haben, ist seit 2007 um 10% gefallen und von den weniger gewordenen Beschäftigten bleiben im Jahr 2013 noch 75,9% in ihrer Studiengegend. Man kann davon ausgehen, dass sich die Mobilität mit der Abnahme an Erwerbsmöglichkeiten in der eigenen „Comunidad Autonoma“ erhöhen wird. Es gibt eine  größere Arbeitsmigration innerhalb Spaniens. Darüber hinaus lässt sich eine verstärkte Auswanderung ins europäische Ausland und in das spanischsprachige Südamerika beobachten. Der Trend ist ungebrochen.