Personalvermittlung

Strategieentwicklung

Die Personalvermittlung findet im Rahmen einer Organisationsentwicklung statt und ist Teil eines Geschäftsmodells. Am Anfang steht eine Idee, die sich den Marktbedingungen stellen muss: Märkte geben dabei jene Arenen ab, in denen die Teilnehmer am Wirtschaftsgeschehen einander begegnen und sich wechselseitigen Beobachtungen aussetzen; Beobachtungen, die jene wie immer unvollständig bleibenden Informationen ermöglichen, auf deren Grundlage Geschäfte zustande kommen. In diesen Arenen entscheidet sich dann, ob sich die eigenen Realitätskonstruktionen bewähren und ob sich die vielfachen ehrgeizigen Zukunftsziele realisieren lassen oder nicht.

 

Informationen, die durch die persönliche Perspektive des Unternehmers in Realitätskonstruktionen umgewandelt werden, stellen die Bedingungen der Marktbeobachtung dar. Sie sind die Voraussetzung für unternehmerisches Handeln. Ohne sie finden keine Umweltanalysen statt. In einem sich schnell verändernden Markt stößt die Vorstellung an an ihre Grenzen, dass man sich über Informationsbeschaffung eine realistische Einschätzung der Marktbedingungen machen kann, da die subjektive Unternehmerperspektive immer unvollständig bleiben muss: Verliert die Annahme, man könne als Unternehmen die Dynamik seiner relevanten Umwelten mit analytischen Mitteln ‚objektiv’ durchdringen, an Plausibilität, dann gilt es, die Art und Weise, wie sich Unternehmen ein Bild von ihrer Umweltentwicklung machen, und warum sie dies tun, auf eine neue Grundlage zu stellen.

Wenn sich der Unternehmer vom Ideal der plandeterminierten Unternehmenssteuerung verabschieden muss, steht er vor der Aufgabe, aus einem Konglomerat an unvollständigen und sich teilweise widersprechenden Beobachtungen tragfähige Konzeptionen zu entwickeln: Strategieentwicklung beschreibt so eine Führungsleistung, die gemeinsame Vorstellungen von der eigenen Zukunft in einer sich ändernden Umwelt produziert und regelmäßig weiterentwickelt und diese Identitätsentwürfe mit dem eigenen Leistungsvermögen und seinen Weiterentwicklungsnotwendigkeiten verknüpft.

 

Auch wenn man weiß, dass Vorstellungen von der eigenen Zukunft fiktive Modelle sind, die sich in der Realität erst beweisen müssen, ist man als Unternehmensgründer gefordert, auf das Thema Zukunftsbewältigung eine Antwort zu finden. Schließlich muss der Gründer seine Geschäftstätigkeit, die Personalvermittlung, darauf ausrichten. Es sind, so scheint es, keine Businesspläne und Finanzierungsmodelle, die die Zukunft abbilden können, keine Wirtschaftspläne, die durch Umsatzprojektionen die Unsicherheit in Sicherheit umzuwandeln vorgeben. Der Realitätsbezug von in die Zukunft projizierten Zahlen verfängt sich in der Wahrscheinlichkeitsmatrix von Vorhersage und Auswirkung. So sehr es sich Unternehmensberater und Business Angels auch wünschen mögen, Risiko berechenbar zu machen, die Zukunft ist und bleibt ungewiss. Und mit ihr die Ausformulierung von Businessplänen. Denn diese treffen fast nie zu.


Organisationsentwicklung in der Personalvermittlung

Die Zahlengläubigkeit ist der Wunsch nach Unsicherheitsabsorption; die Zukunft soll berechenbar werden. Darauf beziehen sich die meisten Beratungs- und fast alle Finanzierungsmodelle: Sie richten sich auf die zahlenmäßige Vorhersehbarkeit von Zukunft aus. Daher sollte man schon aus pragmatischen Überlegungen einen anderen Weg einschlagen. Daher muss es um eine unternehmerische Haltung gehen, die es erlaubt, auch mit wenig Kapital eine Geschäftsidee zu entwicklen: Businesspeople don’t just need to understand designers better; they need to become designers.  An die Stelle von Berechnungen und reiner Anpassungsleisung wird der Kreativität gesetzt. Durch diesen Perspektivwechsel verändert sich der Blick auf die Zukunft und die damit verbundenen Anforderungen an den Unternehmensgründer bzw. an den Entscheider einer Personalvermittlung.

 

Ein eigenes Konzept entwickeln, Implementierung und Weiterentwicklung des Konzepts, Anpassung an sich ändernde Bedingungen, Mitarbeiter und/oder Geschäftspartner für das eigene Konzept begeistern zu können. Marktbeobachtung, frühzeitig neue Trends und technologische Entwicklungen erkennen, Entscheidungen vorbereiten und treffen zu können und Instanz für alle grundsätzlichen Entscheidungen zu sein, gehört zu den Aufgaben eines Gründers und/oder Personalvermittlers.

Die Konzeptionsentwicklung bewegt sich immer im Spannungsverhältnis zwischen Vergangenheit und Zukunft. Daher zeichnet sich Strategieentwicklung durch einen besondereren Umgang mit der Dimension Zeit aus: Sie dreht das Zeitverhältnis um und behandelt die Vergangenheit als Reservoir alternativer Möglichkeiten von Entscheidungen und legt die Zukunft fest, indem sie sich Ziele setzt und ihre eigenen Zwecke definiert, die sie bei Bedarf auch wieder ändert. Organisationen gehören zum Typus sozialer Systeme, dem die Möglichkeit zur Verfügung steht, sich durch den Entscheidungsmechanismus aus den Festlegungen durch die eigene Vergangenheit ein Stück weit zu befreien und sich in seinen gegenwärtigen Handlungen an einer selbst geschaffenen künftigen Identität auszurichten.

 

Diese Sichtweise eröffnet Handlungsspielräume, sie zeigt aber auch auf, unter welchem Spannungsverhältnis sich die Strategieentwicklung befindet. Ist ein Unternehmen zu sehr festlegt, verliert es an Marktnähe, legt es sich zu wenig fest, kann es kein Geschäftsmodell entwickeln. Der Unternehmensgründer muss den Widerspruch zwischen Festlegung und Anpassung nicht nur aushalten, sondern innerhalb dieses Widerspruchs, marktfähige Lösungen anbieten können. In der Personalvermittlung können sich das Personal, die Vermittlungs- und Vertragsbedingungen ändern. 


Wenn der Unternehmensgründer eine positive Haltung zu diesem Widerspruch entwickeln kann, ist die Zukunftsbewältigung eine Herausforderung, die sich an jenem fiktivem Ort abspielt, an dem die Umkehr zwischen Vergangenheit und Zukunft systematisch vorgenommen wird:

Unternehmen bieten all jenen ein unternehmerisches Betätigungsfeld, die fest daran glauben, dass Zukunft etwas ist, das man gemeinsam mit anderen schafft, und nicht etwas, das einem schicksalhaft widerfährt. In diesem Sinne wird ein Unternehmen aus seiner selbsterzeugten Zukunft heraus führbar, wenn es ihm glaubwürdig gelungen ist, ‚sich’ emotional an dieses Zukunftsbild zu binden und die mit diesem Bild verbundene Sinnstiftung auf einer breiten Basis zu verankern. Mit dieser Haltung ist es möglich, nicht nur Ideen zu entwickeln, sondern diese ständig anzupassen, denn ein gutes Entrepreneurial Design endet nicht mit der Gründung. Selbst ein hervorragendes Entrepreneurial Design ist kein Ruhekissen. Marktsituationen verändern sich, neue technologische Entwicklungen treten auf. In der Personalvermittlung ändern sich die Personalbedarfe, die Organisationsbedingungen und die Ansprüche des zu vermittelnden Personals.

Daher ist die Arbeit am Entrepreneurial Design eine permanente Aufgabe, der sich der Gründer dauerhaft stellen muss. Die ständige Arbeit am „Entrepreneurial Design“ muss nicht immer der innovativsten Strategie folgen. Sie muss auch nicht immer den systemischen Organistionsverständnis folgen. Das, was sie benötigt, ist vor allem die Energie und das Engagement seiner Unternehmensgründer: Man macht eine Strategie zu einer guten Strategie, indem man ihr Leben einhaucht und indem man sie selbst entwickelt. Denn immer wenn ein Unternehmen in einem bestimmten Markt Fuß gefasst und über einen bestimmten Zeitraum seine Überlebensfähigkeit unter Beweis gestellt hat, verfügt es auch über eine Strategie, vielleicht nicht explizit in Worte gegossen, aber im konkreten Tun, die im Vollzug des täglichen Geschäfts erfolgreich zum Ausdruck gebracht wird. Das Thema Strategieentwicklung stellt sich für den Unternehmensgründer aus einer pragmtischen Sicht dar. Ihre Wahl ist eher eklektischer, denn dogmatischer Natur, um innerhalb seiner persönlichen Realitätskonstruktionen eine tragfähige und für ihn marktfähige Konzeption erarbeiten zu können. Die Personalvermittlung ändert sich vor dem Hintergrund der sich ständig ändernden Marktbedingungen.