Sechs spanische Busfahrer beginnen in Deutschland

6 spanische Busfahrer nach Deutschland

Zeitungsbericht: unbefristete Arbeitsverträge für 6 Spanier  

Globelia, 15.02.2015 Sömmerda. Sechs spanische Kraftfahrer haben eine neue Perspektive gefunden. Sie erhalten unbefristete Arbeitsverträge, kostenlose Deutschsprachkurse, die Anreise nach Deutschland und eine Hilfe für die erste Unterkunft. Die sechs Busfahrer gehören zu einer weiteren Gruppe von erwerbslosen Berufskraftfahrern aus Spanien, die nach Deutschland gekommen sind. Sie freuen sich und können wieder ausgelassen lachen. Denn nach mehreren Jahren Arbeitslosigkeit können sie endlich wieder ihrem Beruf nachgehen. Einige von ihnen hatten zuletzt nur noch vereinzelt Beschäftigung in ihrer spanischen Heimat und andere gar keine mehr, so dass ihnen ein großer Stein vom Herzen gefallen ist. Denn ein unbefristeter Arbeitsvertrag mit tariflicher Bezahlung gleicht derzeit in Spanien einem Sechser im Lotto. Das Transportwesen leidet besonders

unter der spanischen Krise, die seit mittlerweile mehr als acht Jahren anhält. Ende nicht in Sicht. Die Fahrer werden nur noch tageweise verpflichtet und im besten aller Fälle erhalten sie Verträge von drei Monaten, um als Urlaubsvertretung auszuhelfen. Nach mehreren hundert Bewerbungen hatten einige Fahrer schon die Hoffnung aufgegeben, bis sie auf das Stellenangebot aus Thüringen aufmerksam geworden sind, denn dort herrscht eine in Spanien kaum vorstellbare Situation: Fachkräftemangel im Transportwesen. So packten die Fahrer ihre Koffer und kamen nach Sömmerda. Ab Februar 2015 nehmen sie ihren Dienst für den öffentlichen Personennahverkehr der Stadt und der Region rund um Erfurt auf. Die Familien kommen nach, wenn sich die Fahrer eingelebt und Schulplätze für die Kinder gefunden haben.


Die Personalvermittlung von TTA hat diesen Prozess organisiert und die Fahrer nach Sömmerda begleitet: „Wir haben mehr als 300 Bewerbungen erhalten, von denen wir aber die meisten aussortieren mussten.  Nur die wenigstens sind bereit für diese Herausforderung“, so der deutsche Geschäftsführer der deutsch-spanischen Personalvermittlung, Oliver Nordt. „Wir haben ihnen unter die Arme gegriffen und ihnen auch finanziell geholfen. Wir wissen, dass dies ein großer Schritt ist und einige von ihnen besondere Unterstützung benötigen“, fügt der spanische Teil von TTA, Vicente Milán, hinzu.

 

Dem thüringischen Transportunternehmen aus Sömmerda viel es zunehmend schwer, motiviertes Personal zu finden. Häufig ist die Rede vom Fachkräftemangel oder davon, dass die Leute nicht mehr bereits sind, sich für den Beruf des Busfahrers zu interessieren. Hinzu kommt die Abwanderung von gerade jüngeren Fachkräften aus der Region. Es gibt praktisch niemanden mehr, der sich dem Transportunternehmen vorstellt. Eine Situation, die aus spanischer Perspektive kaum zu verstehen ist. Daher hat Herr Kunz, der Geschäftsführer des Transportunternehmens aus Sömmerda, viel Hoffnung in dieses Projekt gesteckt.  

Mit der Verpflichtung von sechs neuen Berufskratfahrern erwartet er eine deutliche Entspannung für die Belegschaft, die sich mittlerweile an Zusatzschichten und nächtliche Anrufe gewöhnt hat: „Kannst du einspringen, es ist ein Fahrer ausgefallen“. Die Verpflichtung wird für viele Fahrer bedeuten, dass sie in Zukunft mehr Zeit für die Familie und mehr Freizeit haben werden. Die spanischen Fahrer werden es erfreut zur Kenntnis nehmen, dass sie willkommen sind und nicht, wie manchmal behauptet wird, eine billige Arbeitskraft sind. Herrn Kunz ist es wichtig festzustellen: „Hier wurde niemand eingestellt, um jemanden anders den Arbeitsplatz wegzunehmen oder das Gehaltsgefüge zu drücken. Bei uns bekommen alle Fahrer den gleichen Lohn.“

 

Für die spanischen Busfahrer bedeutet die neue Arbeit eine stabile Zukunft, eine Zukunft auf die sie in Spanien mit mehr als 5 Mio Arbeitslosen vergeblich gewartet haben. Auch wenn die letzten Arbeitsmarktzahlen etwas positiver erscheinen, ist der Glaube an eine Besserung in Spanien verloren gegangen. „Meine Zukunft liegt in Deutschland“, so einer der angestellten Fahrer, Aitor Iparraguirre.

 

Zeitungsbericht: 15.02.2015 - Globelia