Busunternehmen Spanische Fachkräfte

Busunternehmen stellt spanische Fachkräfte ein 

Aachen, 01.06.2014. Das Aachener Busunternehmen ASEAG stellt spanische Busfahrer ein. Spanien ist seit den 60er Jahren als Urlaubsort bekannt und ist eines der beliebtesten Ferienziele der Deutschen und somit vielen Deutschen in guter Erinnerung. Verbindet man doch mit Spanien Urlaub, Sonne und Lebensfreude. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass Spanien auch über hervorragend ausgebildete Fachkräfte verfügt, die eine Alternative zu den fehlenden Fachkräften hierzulande darstellen können. Das Aachener Busunternehmen Aseag ist auf das südeuropäische Land aufmerksam geworden, weil es in Deutschland zunehmend weniger Fachkräfte findet. Das Nahverkehrsunternehmen hat einen sehr hohen Altersdurchschnitt und sucht daher nach neuen Möglichkeiten der Fachkräftegewinnung. Hierzu hat man sich auf den Weg nach Madrid 

gemacht, wo man ein deutsch-spanisches Unternehmen mit der Rekrutierung von acht Busfahrern beauftragt hat. Diese Busfahrer absolvieren einen dreimonatigen Intensiv-Sprachkurs für eine Beschäftigung in der Aseag. Sie seien in Aachen herzlich willkommen, da sie zum einen den Altersdurchschnitt der Belegschaft verjüngen und zum anderen, das Arbeitsaufkommen der bisherigen Belegschaft reduzieren helfen. Derzeit, so die Firmensprecherin Anne Linden, beschäftigt die Aseag 450 Mitarbeiter für den Fahrdienst. Davon sind bereits mehr als die Hälfte zwischen 50 und 65 Jahren alt: „Wir müssen in den kommenden acht Jahren mindestens 150 neue Fahrer einstellen“, um die Bedarfslücke zu schließen. Schon seit einiger Zeit kommt es im Unternehmen immer wieder zu Engpässen, die zu Beeinträchtigungen bis hin zu Ausfällen im Linienverkehr führen und 


für Unruhe im Unternehmen gesorgt haben. Durch die Einstellung von zuletzt 50 Fahrern ist es zu einer Entspannung im Unternehmen gekommen. Derzeit kommt es nur bei Unfällen oder Defekten zu Ausfällen im Linienverkehr. Linden: „Die Lage hat sich normalisiert. Wir haben jetzt eine deutlich entspannte Personaldecke.“ Auch wenn laut Auskunft von Frau Linden diese Ausfälle nicht mehr allzu massiv auftreten, ist in näherer Zukunft von einer ansteigenden Belastung der Belegschaft auszugehen. Zudem dürfte die neue Rentenregelung zu einer weiteren Verschärfung der Situation führen. Ab demnächst dürfen die ersten Fahrer vorzeitig in den Ruhestand und hinterlassen der verbleibenden Belegschaft zusätzliche Arbeit. Daher sind laut Linden Maßnahmen nötig, die über lokale Rekrutierungsbemühungen hinausgehen. Man kann mit ihnen aber nur zeitweise Personallücken 

schließen, denn die Bewerberzahlen lassen nach. Die Anstrengungen erhöhen sich für das Busunternehmen, da praktisch keine ausgebildeten Fahrer mehr am Markt verfügbar sind. Und gelingt es dennoch, am heimischen fündig zu werden, müssen diese Fahrer aufwendig eingearbeitet werden. Sie absolvieren eine dreimonatige Kurs Tarif- und Streckenkunde, um anschließend im Fahrbetrieb einsetzbar zu sein. Und selbst diejenigen, die man nach aufwendiger Rekrutierung einstellen kann, werden weniger: „Dieser Markt ist schon leer gefegt“, so Linden. Die Bemühungen werden dahin gehend erweitert, Menschen einzustellen, die über keinerlei Erfahrung verfügen und ihren Führerschein erst in der Firma absolvieren müssen. Der dritter Säule der Nachwuchsgewinnung ist das aktive Werben bei Schulabsolventen, gerne mit einem Realschulabschluss 


oder einem Abitur, um sie für den Ausbildungsberuf „Fachkraft im Fahrdienst“ zu gewinnen. Die dreijährige Lehre ist „ein ganz normaler Ausbildungsberuf“. In diesen drei Jahren durchlaufen die jungen Menschen sämtliche Abteilungen der Aseag und „können am Ende im Fahrdienst eingesetzt werden“. Um endgültig im Personennahverkehr eingesetzt zu werden, müssen die jungen Fahrer mindestens 21 Jahre alt sein. Derzeit verfügt das Busunternehmen über vier Auszubildende, die man in Kooperation mit einer örtlichen Fahrschule auf die zukünftige Tätigkeit als Fachkraft im Fahrdienst vorbereitet. Jedoch reichen die Bemühungen bei weitem nicht aus, um den Fachkräftebedarf der Zukunft zu decken. Deshalb blickt das Unternehmen nach Spanien: „Wir haben uns dort umgeschaut, weil dort ein mit Deutschland vergleichbarer Ausbildungsstand besteht“, so die Firmensprecherin weiter. Deshalb habe man einen deutsch-spanischen Personaldienstleister beauftragt, um in Spanien nach Personal zu suchen. Auf die Stellenausschreibung haben sich mehr als 100 Fachkräfte beworben, von denen 14 nach einem langwierigen 

Auswahlverfahren dem Busunternehmen vorgestellt worden sind.  Mit der Übersetzungshilfe des Personaldienstleisters haben am Ende acht Fahrer die Möglichkeit erhalten, sich in einem dreimonatigen Deutschkurs auf die neue Herausforderung in Aachen vorzubereiten. Seit Februar absolvieren sie einen Deutsch-Kurs und werden im Sommer nach Aachen eingeladen. Dort werden sie sich ihren Arbeitsplatz vor Ort anschauen können, umfangreiche medizinische und psychologische Tests durchlaufen sowie einen weiteren Sprachkurs absolvieren. Darüber hinaus werden sie die Tarif- und Streckenschulung durchlaufen, um „im Idealfall“ die Festanstellung zu erhalten. Ihren Arbeitsvertrag werden die spanischen Fachkräfte bei der ES-Bus erhalten. Sie ist eine Servicegesellschaft innerhalb der Aseag. Auch wenn die Aseag mit der Rekrutierung von spanischen Fachkräften Neuland betritt, steht das Unternehmen stellvertretend für einen Trend auf deutschen Straßen. Die spanischen Fahrer sind Teil einer internationalen Fahrgemeinschaft. Denn auf deutschen Straßen fahren bereits Busfahrer aus mehr als 20 Nationen.

 

Aachener Nachrichten, 17.03.2014